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Nichtregierungsorganisation
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Eine Nichtregierungsorganisation (NRO; englisch Non-governmental organization, NGO) oder auch nichtstaatliche Organisation ist ein zivilgesellschaftlich zustande gekommener Interessenverband, der nicht durch ein Ăśffentliches Mandat legitimiert ist,cite-ref-bpb-1-0[1] aber zum Teil staatlich finanziert sein kann. Die Weltbank definiert NROs als private Organisationen, die durch ihre Aktivitäten versuchen, Leid zu mindern, die Interessen der Armen in der Ăffentlichkeit zu vertreten, die Umwelt zu schĂźtzen, grundlegende soziale Dienste zu leisten oder Aktionen fĂźr Entwicklungsvorhaben zu initiieren. Diese Begriffsbestimmung wurde bewusst unscharf gewählt, da sich NROs aller denkbaren Aufgaben annehmen kĂśnnen.cite-ref-2[2]
Der englische Begriff non-governmental organization wurde einst von den Vereinten Nationen (UNO) eingefĂźhrt, um Vertreter der Zivilgesellschaft, die sich an den politischen Prozessen der UNO beteiligen, von den staatlichen Vertretern abzugrenzen; non-governmental bedeutet dabei ânichtstaatlichâ im Sinne von âstaatsunabhängigâ, âregierungsunabhängigâ. Heute wird der Begriff von und fĂźr nichtstaatliche Vereinigungen benutzt, die sich insbesondere sozial- und umweltpolitisch engagieren, und zwar unabhängig von einer Beziehung zur UNO.cite-ref-3[3] Zu den bekanntesten und grĂśĂten internationalen Organisationen zählen beispielsweise im Bereich Umweltschutz Greenpeace und World Wildlife Fund, bei den Menschenrechten Amnesty International und Human Rights Watch, in der Korruptionsbekämpfung Transparency International und Internet Corporation for Assigned Names and Numbers fĂźr neue Technologien.cite-ref-4[4]
Einerseits wird eine NRO (engl. NGO), die weltweit aktiv ist, als internationale Nichtregierungsorganisation (INGO) bezeichnet; andererseits wird INGO vom Europarat fßr die Gemeinschaft der national-tätigen NRO mit ihren europäischen Partner-NROs benutzt, die Teilnehmerstatus bei der Konferenz der internationalen Nichtregierungsorganisationen haben (vgl. NRO-Bewerbung fßr einen Teilnahme-Status beim Europarat).cite-ref-5[5]
Contents
⢠Begriff
⢠Geschichte
⢠Strukturen
⢠Rechtsstellung
⢠Finanzierung
⢠Transparenz
⢠Ăsterreich
⢠Deutschland
⢠Georgien
⢠Kritik
⢠Einflussnahme
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Begriff und Geschichte
Begriff
Die deutsche Bezeichnung Nichtregierungsorganisation ist angelehnt an den englischen Ausdruck non-governmental organization (NGO). Teilweise wird auch die Bezeichnung nichtstaatliche Organisation (NSO) benutzt. Sie Ăźberträgt den angloamerikanischen Begriff governmental präziser; die Ăbersetzung fĂźr Regierung wäre im amerikanischen Englisch nicht government, sondern administration. Dennoch hat sich der Begriff Nichtregierungsorganisation im Deutschen weitgehend durchgesetzt, dazu die englische AbkĂźrzung NGO (anstelle von NRO).
Im Englischen werden auch folgende Begriffe verwendet: independent sector, volunteer sector, civic society, grassroots organizations respektive transnational social movement organizations, private voluntary organizations, self-help organizations, häufig auch non-state actors (NSAs). Letzterer Begriff ist allerdings weiter gefasst und umschlieĂt neben Nichtregierungsorganisationen auch transnationale Unternehmen (TNCs) sowie z. B. kriminelle Vereinigungen. In der britischen Forschung werden Nichtregierungsorganisationen auch in Verbindung gebracht mit der global civil society, einer globalen Zivilgesellschaft, z. B. bei Mary Kaldor.
Im herkÜmmlichen deutschen Sprachgebrauch sind Nichtregierungsorganisationen einfach Verbände oder Vereine. Die Nichtregierungsorganisationen werden dem zivilgesellschaftlichen Dritten Sektor zugeordnet. Diese Einordnung geht auf den US-amerikanischen Soziologen Amitai Etzioni zurßck, der die drei gesellschaftlichen Sektoren Staat, Markt (Wirtschaft) und Zivilgesellschaft erstmals 1973 voneinander unterschied. Zum Dritten Sektor zählt man mittlerweile Organisationen, die eine formale Struktur aufweisen, organisatorisch unabhängig vom Staat sind, nicht gewinnorientiert arbeiten, eine eigenständige Verwaltung haben, keine Zwangsverbände sind und zumindest anteilsweise ßber freiwilliges Engagement und Spenden getragen werden.cite-ref-6[6]
Sie kĂśnnen auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene organisiert sein.cite-ref-7[7]
Auch private GroĂstiftungen kĂśnnen als Nichtregierungsorganisationen auftreten. So erlaubt etwa die hybride Natur der Bill & Melinda Gates Foundation eine flexible Auslegung ihrer Organisationsstruktur: Mal tritt sie als multinationaler Konzern (MNC) auf, mal als Nichtregierungsorganisation, als Stiftung oder gar als quasi-staatlicher Akteur.cite-ref-8[8]
Begrifflichkeiten:
⢠INGO ist eine internationale Nichtregierungsorganisation (International NGO).
⢠QUANGO oder QuasiNGO sind hybride Organisationen, die auch Staaten oder staatliche Stellen als Mitglieder zulassen und oft zu groĂen Teilen aus Ăśffentlichen Mitteln finanziert werden. Prominentestes Beispiel ist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.cite-ref-9[9]
⢠CSGO oder Civil Society Organisation fßr Organisationsformen der Zivilgesellschaft.
⢠ENGO oder Environmental NGO sind Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder World Wildlife Fund.
⢠GSO oder Grassroot Support Organisations unterstßtzen lokale Gruppen von betroffenen Personen.
⢠RNGO oder Religious NGO sind Organisationen die stark religiÜs beeinflusst sind.cite-ref-10[10]
Geschichte
Manche Autoren verweisen in der Ahnenreihe der Nichtregierungsorganisationen neben den christlichen Kirchen auf die im 6. Jahrhundert entstehenden religiÜsen Orden und die späteren religiÜsen und säkularen Orden. Als Vorläufer der heutigen Nichtregierungsorganisationen im humanitären Bereich wird allgemein die Antisklaverei-Bewegung der Quäker im 17. Jahrhundert angesehen. Im 19. Jahrhundert vermehrte sich die Zahl der Nichtregierungsorganisationen rasch, wobei neben die zunächst humanitär ausgerichteten Organisationen auch solche mit politischen, wirtschaftlichen, gewerkschaftlichen aber auch wissenschaftlichen Zielen traten. Internationale Organisationen wie World Evangelical Alliance (1846), Alliance IsraÊlite Universelle (1860), Komitee vom Roten Kreuz (1863), Die Erste Internationale (1864), International Law Association (1873) und International Association of Geodesy entstanden.cite-ref-1616-8828-2003-s-6-11-0[11]
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden wichtige internationale Nichtregierungsorganisationen wie die Internationale Handelskammer und der Internationale Gewerkschaftsbund (IFTU) auf dem wirtschaftlichen und sozialen Gebiet. Durch das Flßchtlingselend und die Migrationsprobleme entstanden zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die unter Fßhrung des Roten Kreuzes zur Berufung eines Hohen Kommissars fßr Flßchtlinge beim VÜlkerbund beitrugen. In der Praxis des VÜlkerbundes entwickelte sich eine rege Zusammenarbeit gerade mit internationalen Nichtregierungsorganisationen, die Rederechte erhielten, Beratungsvorschläge einbringen konnten und in Ausschßssen tätig wurden.cite-ref-1616-8828-2003-s-6-11-1[11]
Seit den 1990er Jahren wurde aufgrund von steigenden Anforderungen an die Kompetenz und Spezialisierung der Mitarbeiter das Ehrenamt zu Gunsten von hauptamtlichen (professionellen) Mitarbeitern im Kerngeschäft zurßckgedrängt. Die Nichtregierungsorganisationen kÜnnen sich heute der Logik einer Konkurrenz um Spenden- und Projektgelder nicht mehr entziehen.cite-ref-12[12]
Die heute zu beobachtende Omnipräsenz und politische Bedeutung vieler Nichtregierungsorganisationen wurde durch die Globalisierung seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts befÜrdert, da
⢠das Ende des Kalten Krieges, die Wahrnehmung grenzßberschreitender Problemlagen wie Umwelt- und Klimabedrohungen, weltweiter MigrationsstrÜme u. ä. verstärkte.
⢠die weltweite Vernetzung â nicht zuletzt durch das Internet â auch der Bereiche Politik, Recht und Gesellschaft sprunghaft zunahm.
Daneben fand ein Prozess der âEntstaatlichungâ statt, indem im Inneren staatliche Aufgaben an Private und im ĂuĂeren an nichtstaatliche Ăźberstaatliche Institutionen mit Hoheitsgewalt Ăźbertragen wurden. Dadurch entstand ein ernsthaftes Problem demokratischer Legitimation. So entstanden selbsternannte Anwälte des Ăśffentlichen Interesses wie Greenpeace oder Amnesty International.cite-ref-13[13]
Strukturen
Aus politikwissenschaftlicher Sicht lassen sich Nichtregierungsorganisationen definieren, als âfeste ZusammenschlĂźsse unabhängiger gesellschaftlicher Kräfte, die ohne Gewinnabsicht gemeinwohlorientierte Ziele verfolgen, sich insbesondere fĂźr humanitäre und Ăśkologische, dem Anspruch nach universelle Prinzipien einsetzen und versuchen, Einfluss auf Staaten und IGOs (International Governmental Organizations) auszuĂźbenâ.cite-ref-furtak-14-0[14] Wichtige Tätigkeitsschwerpunkte von Nichtregierungsorganisationen â insbesondere von international tätigen Nichtregierungsorganisationen â sind die Politikfelder Menschenrechte, Entwicklungs- und humanitäre Hilfe und Umweltschutz.cite-ref-furtak-14-1[14]
Es zeichnet sich ab, dass nichtstaatliche Organisationen nur dann von internationalen Institutionen â wie der UNO, der UNESCO, dem Europarat oder der EU-Kommission â als solche anerkannt werden, wenn sie:
1. von einer Bßrgerschaft mit gleichen Interessen gegrßndet wurden, die sich fßr gemeinsam anerkannte Ziele zusammengeschlossen haben und damit den assoziierten kompetenten Bßrger repräsentieren,
2. demokratisch strukturiert sind und folglich ihre Vorstände wählen und
3. bei aller fßr die Erreichung der Vereinsziele erforderlichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht gewinnorientiert arbeiten.
Viele nichtstaatliche Organisationen fordern von der Europäischen Kommission die Schaffung einer Rechtsform âEuropäischer Vereinâ, um so eine der Europäischen Aktiengesellschaft ähnliche gemeinschaftsweite Rechtsfähigkeit zu schaffen.
Rechtsstellung
Nichtregierungsorganisationen sind von privaten natĂźrlichen oder juristischen Personen aufgrund privatrechtlichen, nicht vĂślkerrechtlichen Vertrages gegrĂźndete Vereinigungen, die ideelle und andere nicht gewinnorientierte Ziele im Rahmen des Rechts verfolgen. Sie haben eine auf Dauer angelegte, handlungsfähige Struktur und einen eigenen Sitz. Sie versuchen einen hohen Grad von Unabhängigkeit gegenĂźber nicht nur dem Sitzstaat, sondern auch anderen Staaten bzw. Regierungen zu wahren, um ihrer Funktion als â jedenfalls Ăźberwiegend â kritische Interessengruppen nachzukommen.cite-ref-16[16]
Gemäà Artikel 71 der UN-Charta kÜnnen Nichtregierungsorganisationen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) erlangen,cite-ref-17[17] wenn sie die in der ECOSOC-Resolution 1996/31cite-ref-18[18] festgelegten Kriterien erfßllen. Zurzeit sind dort 4990 Organisationen registriertcite-ref-19[19]cite-ref-20[20]
Der Europarat legte 1986 ein Europäisches Ăbereinkommen Ăźber die Anerkennung der RechtspersĂśnlichkeit internationaler nichtstaatlicher Organisationen vor (SEV-Nr.: 124, auch Konvention Nr. 124 genannt). Es trat 1991 in Kraft und die Ratifikation begann.cite-ref-21[21] Etwa ein Viertel der Mitgliedstaaten ist dieser Konvention zur Rechtsstellung von internationalen Nichtregierungsorganisationen bisher beigetreten, so Belgien, Frankreich, Niederlande, Ăsterreich, Schweiz und das Vereinigte KĂśnigreich u. a. (Stand Ende 2017).cite-ref-22[22]
2007 empfahl der Europarat (CM/Rec(2007)14)cite-ref-23[23] den Regierungen der Mitgliedstaaten eine Gesetzgebung Ăźber den rechtlichen Status auch fĂźr nationale Nichtregierungsorganisationencite-ref-2007-14-expmemo-24-0[24] und erinnerte in diesem Zusammenhang an die europäische Konvention Nr. 124 â verbunden mit der Empfehlung an die Regierungen der Mitgliedstaaten:
⢠âsich dabei in ihrer Politik und Praxis von den Minimalstandards leiten zu lassen, die in dieser Empfehlung aufgefĂźhrt sind;
⢠diese Standards bei der Ăberwachung der von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zu beachten;
⢠sicherzustellen, dass diese Empfehlung und das begleitende Erläuternde Memorandumcite-ref-2007-14-expmemo-24-1[24] Ăźbersetzt und an NRO allgemein und insbesondere an Parlamentarier, die relevanten Ăśffentlichen Stellen und Bildungseinrichtungen verteilt und bei der Ausbildung von Beamten eingesetzt werden.â
Finanzierung
GrĂśĂere Nichtregierungsorganisationen weisen mitunter Jahresbudgets von mehr als einer Milliarde Euro auf. Einnahmequellen sind neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem Spenden, ErlĂśse aus dem Verkauf von Waren sowie Einnahmen aus Aufträgen von privaten oder Ăśffentlichen Stellen, etwa Honorare fĂźr soziale Dienste oder FlĂźchtlingsbetreuung.cite-ref-27[27] Daneben hängen auch viele Nichtregierungsorganisationen in erheblichem MaĂe von staatlichen Mitteln ab. Die Einnahmen von Oxfam, das nach dem Roten Kreuz zu den weltweit grĂśĂten Hilfsorganisationen zählt, lagen im Geschäftsjahr 2015/2016 bei knapp 1,1 Milliarden Euro, die zum groĂen Teil von der Ăśffentlichen Hand stammen: 67,9 Millionen Euro von der EU und von EU-Einrichtungen, 63,6 Millionen Euro von den Vereinten Nationen und von UN-Organisationen und 200,2 Millionen Euro von nationalen Regierungen.cite-ref-28[28] FĂźr den Zeitraum von 2014 bis 2017 gab die EU-Kommission an, insgesamt etwa 11,3 Milliarden Euro an Nichtregierungsorganisationen gezahlt zu haben.cite-ref-29[29]
Die Abhängigkeit von Spenden und staatlichen Mitteln kann im Widerspruch zur GlaubwĂźrdigkeit von Nichtregierungsorganisationen stehen.cite-ref-bpb-1-1[1] Da auch immer mehr Hilfsorganisationen gegrĂźndet werden, gibt es nach Ansicht von Linda Polman statt Zusammenarbeit einen harten Konkurrenzkampf um Spendengelder zwischen den Hilfsorganisationen.cite-ref-handelsblatt-30-0[30] Die Fähigkeit, Zielgruppen und die Ăffentlichkeit zu erreichen, sei bei Protestgruppen und sozialen Bewegungen nach Ansicht von Dieter Rucht oft abhängig von medienwirksamen Inszenierungen verbunden mit Dramatisierung, Skandalisierung, emotionalem Auftreten oder Spektakel.cite-ref-31[31] Je grĂśĂer das Medieninteresse und die Berichterstattung, desto mehr Spenden kĂśnnen gesammelt werden. Dabei mĂźssen Krisenregionen fĂźr Journalisten gut erreichbar und nicht zu gefährlich sein, und die Opfer mĂźssten gut zu fotografieren oder zu filmen sein.cite-ref-spiegel-fehlgeleitet-32-0[32] Die niederländische Autorin Linda Polman kritisiert, dass Fakten manipuliert werden, um an mehr Spenden zu kommen.cite-ref-handelsblatt-30-1[30] Der Leiter Franz SchabhĂźttl der grĂśĂten FlĂźchtlingsbetreuungsstelle Ăsterreichs kritisierte im April 2017, dass manche NGOs mit angeblich falschen Darstellungen zur von ihm geleiteten Bundesbetreuungsstelle Traiskirchen Spenden generieren und sich benehmen âwie Unternehmen, denen es um Geld und Einfluss geheâ. Amnesty International Ăsterreich und Ărzte ohne Grenzen widersprachen den VorwĂźrfen.cite-ref-33[33]
Transparenz
Nichtregierungsorganisation sind nicht gewählt, kÜnnen aber, ähnlich politischen Parteien, mitunter in die politische Debatte und in die Meinungsbildung der BevÜlkerung eingreifen. Ihre Motivation zu verstehen, ist entscheidend fßr ihre Glaubwßrdigkeit. Um Interessenkonflikte erkennen zu kÜnnen, ist es deshalb wichtig, die Spender und Sponsoren zu kennen, die ihre Arbeit finanzieren.cite-ref-zeit190919-34-0[34]
So fßhrt beispielsweise die Zusammenarbeit von Nichtregierungsorganisationen mit Rebellen oder Militärregimen in Krisenregionen zu einem Missbrauch von Spendengeldern, die so Kriege verlängern oder neue Konflikte hervorrufen.cite-ref-spiegel-fehlgeleitet-32-1[32] Die Autorin Linda Polman meint, dass viele Nichtregierungsorganisationen zu wenig die Folgen ihres Handelns bedenken. Ihnen seien Prinzipien wichtiger als Konsequenzen.cite-ref-handelsblatt-30-2[30]
Ăsterreich
GroĂe Organisationen in Ăsterreich wie Rotes Kreuz oder Caritas geben in ihren Jahres- und Rechenschaftsberichten keine genauen AuskĂźnfte, welche Summen zu welchem Zweck wohin flieĂen. Die Verwendung der Spenden ist oft intransparent und nicht nachvollziehbar.cite-ref-addendum-blackbox-35-0[35] Die meisten Nichtregierungsorganisationen in Deutschland sind als Vereine organisiert. Nach dem geltenden Vereinsrecht sind sie nicht verpflichtet, nach auĂen Ăźber die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel Rechenschaft abzulegen.cite-ref-tagesspiegel-bedingttransparent-36-0[36] Zwar werden die Sammlung und Verwendung von Spenden einiger Nichtregierungsorganisationen im Inland Ăźberwacht und mit Spendensiegel zertifiziert, aber insbesondere im Ausland sei eine Kontrolle der GeldflĂźsse schwierig oder kaum vorhanden.cite-ref-spiegel-fehlgeleitet-32-2[32] Effizienz und Kontrolle der Wirkung von Spenden bleiben auch beim SpendengĂźtesiegel in Ăsterreich unberĂźcksichtigt.cite-ref-addendum-blackbox-35-1[35]
Deutschland
Edda Mßller, die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, sah 2017 bei vielen Organisationen Nachholbedarf in Sachen Transparenz.cite-ref-tagesspiegel-bedingttransparent-36-1[36] Eine 2013 durchgefßhrte Untersuchung der Stiftung Warentest ergab, dass nur sechs von 44 Organisationen aus den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz sowie Tier-, Natur- und Artenschutz transparent und nachvollziehbar wirtschaftlich arbeiten. Beim deutschen Vier-Pfoten-Verein beispielsweise floss laut Geschäftsbericht 2012 weniger als die Hälfte der Ausgaben in Projekte und Kampagnen. Weiters bemängelte Stiftung Warentest bei den meisten Spendenorganisationen mangelnde Transparenz bei der Offenlegung von Einnahmen und Ausgaben sowie bei Provisionszahlungen fßr Mitgliederwerbung und Aufwand fßr Spendenwerbung.cite-ref-37[37]
Nichtregierungsorganisation kĂśnnen die Herkunft ihrer Mittel in Deutschland weitgehend vor der Ăffentlichkeit geheim halten. Die Zeit nannte an existierenden Vorschriften dazu Ende 2018 nur eine freiwillige Selbstverpflichtung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft, die lediglich verlangt, dass Spender, die mit ihren Zuwendungen mehr als 10 % der Jahreseinnahmen einer NGO ausmachen, verĂśffentlicht werden mĂźssen.cite-ref-zeit190919-34-1[34] Im Februar 2025 richtete die Unionsfraktion eine kleine Anfrage mit 551 Fragencite-ref-38[38] zur Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen an die deutsche Bundesregierung. Die Anfrage wurde von der Linken, der SPD, den GrĂźnen und von betroffenen NGOs scharf kritisiert. Auch Amnesty International warf der CDU/CSU vor, sich gegen die Zivilgesellschaft zu richten, wobei den NGOs unterstellt werde, eine Schattenstruktur zu sein, die mit staatlichen Geldern indirekt Politik betreibe.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
Der Staatsrechtler Hubertus Gersdorf meint, dass das Demokratieprinzip dadurch gekennzeichnet sei, dass sich die Willensbildung vom Volk zum Staat zu vollziehen habe und nicht andersherum. So mĂźsse sichergestellt sein, dass Regierungsstellen keinen Einfluss auf die politische Kommunikation nehmen kĂśnnen. Deshalb mĂźsse ausgeschlossen werden, dass die jeweilige Regierung sich bei der FĂśrderung NGOs aussucht, die ihr nahestehen und so in ihrem Sinne auf den Willens- und Meinungsbildungsprozess des Volkes einwirken. Die FĂśrderung von NGOs sei gesetzlich zu regeln.cite-ref-41[41]
Georgien
Eine Studie aus Georgien kam 2015 zu dem Ergebnis, dass ein Teil der BevÜlkerung nicht beurteilen konnte, ob es sich bei bestimmten bekannten Organisationen um Nichtregierungsorganisationen handelte oder nicht. 40 Prozent der Befragten wussten den Status der Open Society Foundation von George Soros nicht. USAid wurde dagegen zu 31 Prozent als Nichtregierungsorganisation eingeschätzt und selbst British Petroleum mit 16 Prozent.cite-ref-42[42]
Kritik
Wichtige Argumente von NRO-KritikÂern sind:
⢠Nichtregierungsorganisationen sind nicht demokratisch legitimiert. Sie sind nicht gewählt und damit auch nicht ermächtigt, im Namen der BevÜlkerung eines Landes zu sprechen oder zu agieren.
⢠Sie sind auch intern nicht immer demokratisch strukturiert.cite-ref-bpb-1-2[1]
⢠Der Zwang, in der Ăśffentlichen Debatte besonders aufzufallen, um so mehr Spenden zu generieren, zwingt Nichtregierungsorganisationen geradezu, moralische EmpĂśrung hervorzurufen. Sorgen und Ăngste der Menschen wĂźrden, so Herfried MĂźnkler 2018, im Gestus der moralischen EmpĂśrung von Medienspezialisten der Nichtregierungsorganisationen âbewirtschaftetâ.cite-ref-nzz070318-43-0[43]
⢠Kritik gibt es auch an einer zu starken Stellung der Nichtregierungsorganisationen gegenßber den Institutionen der Länder, in denen sie tätig sind.cite-ref-bpb-1-3[1]
⢠Im Gegensatz zu Lobbyisten, die wirtschaftliche Interessen verfolgen, treten solche, die Ăśkologische und soziale Interessen verfolgen, als Nichtregierungsorganisationen auf und werden als solche in der Ăffentlichkeit wahrgenommen. Holger LĂśsch vom Bundesverband der Deutschen Industrie beklagte, dass Wirtschaftsverbände und Nichtregierungsorganisationen mit zweierlei MaĂ gemessen wĂźrden, obwohl alle Interessen vertreten.cite-ref-tagesspiegel-bedingttransparent-36-2[36]
⢠Bestimmte Nichtregierungsorganisationen versuchen die Freiheit der Wissenschaft zu beschränken und sie ihren moralischen Vorstellungen entsprechend zu formen. Herfried Mßnkler kritisierte 2018 den Einfluss NRO-ähnlicher Organisationen, die mit den Mitteln des shaming and blaming den Wissenschaftsbetrieb an die jeweiligen Werte der Gruppen zu binden versuchten, und verwies auf Gruppen von Tierversuchsgegnern, feministische Gruppen und sich als antikolonialistisch verstehende Akteure.cite-ref-nzz070318-43-1[43]
⢠Bei militärischen Einsätzen der USA in Kriegs- oder Krisengebieten galten manche Nichtregierungsorganisationen nach Einschätzungen von 2011 in amerikanischen Militärkreisen als Sicherheitsrisiken. Sie stimmen sich oft nicht mit dem Militär vor Ort ab, sei es, um den Anschein von Neutralität zu wahren, oder weil sie dem Militär ideologisch feindselig gesinnt sind. Wenn sie sich dann unprofessionell verhalten und ihre Mitarbeiter in gefährliche Gebiete schicken, fordern sie anschlieĂend vom Militär, Rettungsaktionen zu starten.cite-ref-44[44]
Einflussnahme
Internationaler Strafgerichtshof
Heidi Nichols Haddad beschreibt, wie der 2002 gegrĂźndete Internationale Strafgerichtshof (ICC) von Nichtregierungsorganisationen als deren âKindâ betrachtet wird, nachdem diese maĂgeblich auf seine GrĂźndung hingearbeitet hatten. Der Gerichtshof hänge von der Expertise und UnterstĂźtzung der Nichtregierungsorganisationen ab.cite-ref-45[45] 2006 hatten sich etwa 2000 Organisationen zur âCICCâ, der Koalition fĂźr den Internationalen Strafgerichtshof, zusammengeschlossen.cite-ref-46[46] GroĂe Nichtregierungsorganisation wie Amnesty International hatten ihre Ressourcen auf den ICC konzentriert, weil hier die Chance am grĂśĂten war, Einfluss auf den kĂźnftigen Charakter des internationalen Strafrechts zu nehmen.cite-ref-47[47]
Militärinterventionen
Transnationalen NRO-Netzwerken werden bedeutende Rollen beim Entschluss von Staaten und Staatengemeinschaften zu humanitären Militäreinsätzen zugeschrieben. So wertet etwa der Politologe Henry Carey die Interventionen in Haiti (1994), Bosnien (1995) und dem Kosovo (1999) als Erfolge der Ăffentlichkeitsarbeit transnationaler âAdvocacyâ Netzwerke (TANs), zusammengesetzt aus verschiedenen Menschenrechts- und Interessengruppen. Diese Gruppen hätten durch taktisches Framing die Ăśffentliche Wahrnehmung der betreffenden Konflikte beeinflusst und die folgenden Militäreinsätze hätten ohne die Nichtregierungsorganisationen-Einflussnahme nie stattgefunden.cite-ref-48[48]
Staatliche Einflussnahme
Die russische Regierung erlieĂ 2005 das strenge Gesetz Ăźber âausländische Agentenâ in Russland, nachdem internationale Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen die massiven MenschenrechtsverstĂśĂe der russischen Streitkräfte im Nordkaukasus (so im Gefolge von Dagestankrieg und Tschetschenienkrieg) dokumentiert hatten.cite-ref-49[49] 2021 wurde Memorial und 2022 wegen des Ukrainekrieges die Union der Komitees der SoldatenmĂźtter Russlands verboten.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]
Der indische Geheimdienst warf 2018 vom Ausland finanzierten Organisationen vor, die Interessen Indiens zu bedrohen und dem Land beispielsweise durch Blockadeaktivitäten oder Aktionen gegen Gentechnik und Atomkraft zu schaden.cite-ref-52[52]
Im Juni 2025 wurden Berichte verĂśffentlicht, nach denen die Europäische Kommission angeblich Umweltverbände verdeckt fĂźr Klagen und Kampagnen gegen deutsche Unternehmen bezahlte, um die Ăffentlichkeit von der Klimapolitik der EU Ăźberzeugen.cite-ref-53[53] Andere Gruppen wurden von der Kommission fĂźr die Beeinflussung von EU-Abgeordneten vor Abstimmungen zu Pflanzenschutzmitteln und Chemikalien bezahlt.cite-ref-54[54]cite-ref-55[55]cite-ref-56[56] Die Kommission wehrte sich gegen die VorwĂźrfe, denn das Thema sei bereits im Februar intensiv mit dem Europäischen Parlament aufgearbeitet worden und Nichtregierungsorganisationen wĂźrden zu einem demokratischen System gehĂśren und eine wichtige Rolle bei der Gestaltung, Ăberwachung und Durchsetzung von Rechtsvorschriften spielen.cite-ref-57[57] Ein Bericht des Europäischen Rechnungshof widerlegte die VorwĂźrfe: Die Gelder seien im Rahmen des sogenannten LIFE-Programmes regulär und zweckgebunden an NGOs ausgezahlt worden. Aufforderungen, EU-Abgeordnete zu beeinflussen und Klagen und Kampagnen gegen Unternehmen durchzufĂźhren, konnten nicht gefunden werden.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]
Verhinderung von Mobilisierung und Politisierung
Kritisch wird von NGO-ization oder von einem âNon-Profit-industriellen Komplexâ gesprochen, so von der indischen Autorin Arundhati Roy.cite-ref-60[60] Sie weist darauf hin, dass die Phase der neoliberalen Politik in Indien seit den 1980er Jahren, die mit einer Vernachlässigung der ländlichen Regionen verbunden war, vom Aufbau von Nichtregierungsorganisationen in diesen Regionen begleitet wurde, die vom Westen kontrolliert sind. Nichtregierungsorganisationen fĂźllten teilweise das Vakuum, das der RĂźckzug des Staates hinterlieĂ, und trugen damit zur Entpolitisierung des Diskurses bei. Die Ressourcen der Nichtregierungsorganisationen, die in das Land flossen, spielten eine ähnliche Rolle wie Spekulationskapital.
Auch Islah Jad von der Universität Bir Zait kritisiert die NGO-isierung am Beispiel der arabischen Frauenbewegung, die die alten, schon in den 1920er Jahren entstandenen Graswurzelbewegungen ersetzten: An der Spitze der Nichtregierungsorganisationen stßnden heute hochprofessionelle, englischsprechende Managerinnen, die ihre Aktivitäten darauf konzentrierten, Fundraising zu betreiben, statt die Menschen zu mobilisieren.cite-ref-61[61] Ein Beispiel fßr die NGO-ization unter Dominanz US-amerikanischer Interessen sei auch der kurdische Irak. Diese Entwicklung fßhre dazu, dass z. B. der Kampf um Frauenrechte nicht auf gesamtstaatlicher Ebene gefßhrt, sondern fßr nationalistische Ziele genutzt werde. Man versuche sich von den angeblich frauenfeindlichen Arabern abzugrenzen.cite-ref-62[62] Die Jineologie, die kurdische Variante des Feminismus sei das attraktive Aushängeschild der kurdischen Autonomieregion fßr das Engagement internationaler Nichtregierungsorganisationen, habe aber keine Verankerung in der kurdischen Gesellschaft, wo Polygamie, Genitalverstßmmelungcite-ref-63[63] und die Unterdrßckung von Frauen weithin geduldet werde.
Professionalisierung und Entpolitisierung
Auch in Lateinamerika wßrden die Nichtregierungsorganisationen, die dort Empowerment-Bewegungen organisieren sollen, sorgfältig von den Geberstaaten ausgesucht.cite-ref-64[64] Nach Sonia E. Alvarez seien die Mitarbeiterinnen der Nichtregierungsorganisationen anders als die lokalen feministischen Bewegungen hochgradig spezialisiert und professionalisiert; sie wßrden nur mit wenigen Freiwilligen arbeiten und entwickeln vor allem Reports oder Projekte, um die Politik auf nicht-konfrontativem Wege zu beeinflussen und so Spenden einzuwerben.cite-ref-65[65] Dies bestätigt eine Analyse der in Jordanien tätigen Nichtregierungsorganisationen: Die hoch qualifizierten, nach westlichen Standards ausgebildeten Mitarbeiterinnen seien im Nahen Osten auch tätig, um ihre Karrierechancen zu verbessern.cite-ref-66[66]
Kritik an humanitären Hilfsorganisationen
Besonders aufgrund der Erfahrungen mit Hilfsorganisationen nach dem Erdbeben in Haiti 2010 wird deren unkoordiniertes Nebeneinander und die geringe Effizienz der Hilfe kritisiert, das dem neoliberalen Wirtschaftsmodell entspricht. Dort haben sich insgesamt 7000 Organisationen mit groĂen Finanzmitteln beteiligt, doch jede verfolgte ihre eigene Agenda. Es gab kein groĂes gemeinsames Projekt auĂer dem von den USA finanzierten Aufbau einer steuerbefreiten Sonderwirtschaftszone. Die Nichtregierungsorganisationen gehen oft auch Ăźber die BedĂźrfnisse der Betroffenen hinweg. Dabei sei âder Druck Gelder âabzuwickelnâ und der Beweis der eigenen Handlungsfähigkeit gegenĂźber Spendern, Geldgebern und der heimischen Presse eine der Hauptursachen fĂźr die weitere Entmachtung der HaitianerInnen bei der Gestaltung ihres Landes.â Das Misstrauen gegenĂźber den Haitianern sei groĂ; nur ein Prozent der zwei Milliarden Nothilfe, die es fĂźr Haiti gab, ist Ăźber die haitianische Regierung abgewickelt worden. 99 Prozent haben internationale Akteure und nationale wie internationale Nichtregierungsorganisationen verwaltet.cite-ref-67[67]
Sexuelle Ausbeutung und Missbrauch durch einzelne Mitarbeiter
2002 ergab ein Untersuchungsbericht des Hohen FlĂźchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), dass in FlĂźchtlingslagern in Sierra Leone, Liberia und Guinea rund 70 Mitarbeiter von Ăźber 40 Hilfsorganisationen, darunter UNHCR und Save the Children, junge Frauen und Kinder sexuell missbraucht haben. So wurde etwa Sex als Gegenleistung fĂźr Lebensmittel und Geld verlangt.cite-ref-68[68]
Laut einer 2008 verÜffentlichten Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children waren in Haiti, Elfenbeinkßste und Sßdsudan Mitarbeiter von 23 humanitären und Peacekeeping-Organisationen an Vergewaltigungen, Menschenhandel, Zwangs- und Kinderprostitution, verbaler sexueller Gewalt und Kinderpornographie beteiligt. Die Täter sind sowohl internationale als auch einheimische Mitarbeiter sowie Angestellte lokaler Nichtregierungsorganisationen und Partner. Die ßberwältigende Mehrheit der Täter sind Männer, jedoch sind auch Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch Frauen bekannt.cite-ref-69[69]
Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam haben in Haiti während eines Einsatzes nach dem Erdbeben von 2010 Partys mit Prostituierten veranstaltet. Eine interne Untersuchung der Nichtregierungsorganisationen zeigte eine âKultur der Straflosigkeitâ unter den Oxfam-Mitarbeitern. VorwĂźrfe, wonach auch minderjährige Prostituierte engagiert wurden, seien nach Oxfams Angaben jedoch ânicht bewiesenâ. Die in den Skandal verwickelten Mitarbeiter fanden danach ähnliche Arbeit bei anderen Nichtregierungsorganisationen.cite-ref-70[70]cite-ref-71[71] Auch im Tschad sind 2006 wiederholt mutmaĂliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden. Im SĂźdsudan gab es Fälle von Vergewaltigungen und versuchten Vergewaltigungen.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]
Die ehemalige britische Entwicklungshilfeministerin Priti Patel und Haitis Präsident Jovenel MoĂŻse bezeichneten die Vorkommnisse bei Oxfam als die âSpitze des Eisbergsâ. Laut MoĂŻse seien auch andere Organisationen betroffen, Informationen wĂźrden jedoch intern vertuscht. So habe etwa Ărzte ohne Grenzen 17 Mitarbeiter ohne weitere Erklärung wegen Fehlverhaltens abgezogen.cite-ref-75[75]
Die âCharity Commissionâ, die AufsichtsbehĂśrde fĂźr die Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen im KĂśnigreich, berichtete, dass ihr jährlich etwa 1000 Verdachtsfälle von Missbrauch gemeldet wĂźrden. Aktenkundig seien unter anderem Fälle von sexueller Belästigung bei âSave the Childrenâ, âChristian Aidâ und beim Britischen Roten Kreuz. Im Februar 2018 bestätigte das International Rescue Committee Fälle sexuellen Missbrauchs in der Demokratischen Republik Kongo. Ărzte ohne Grenzen berichtete fĂźr das Jahr 2017 von 24 bestätigten Fällen sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs in ihrer Organisation. 19 Mitarbeiter wurden entlassen.cite-ref-76[76]
Der frßhere UN-Notfallkoordinator Andrew MacLeod spricht von einem globalen Problem in der Industrie der Hilfsorganisationen. Pädophile heuern seit vielen Jahren verstärkt bei Wohltätigkeitsorganisationen an, um in Krisenregionen Zugang zu Kindern zu erhalten.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78]cite-ref-79[79]
Kritik an einzelnen humanitären Hilfsorganisationen im Zusammenhang mit der Flßchtlingskrise in Europa ab 2015
Die European Union Naval Force â Mediterranean hatte im Herbst 2016 beschrieben, dass sich die Menschenschmuggler bei ihrem Geschäft auf die steigende Anzahl von Nichtregierungsorganisationen vor der libyschen KĂźste verlassen wĂźrden.cite-ref-80[80] Frontex und andere Experten betrachten nach Stellungnahmen von 2017 den FlĂźchtlingstransport durch private Helfer nach Europa als einen der Pull-Faktoren, der Anreize zur Migration schaffe oder vergrĂśĂere. Die privaten Hilfsorganisationen erledigen einen Teil des Geschäfts der Menschenschmuggler; die Schlepper zwingen ihre Kunden auf seeuntaugliche Boote, wo diese auf Seeretter warten mĂźssen. Den FlĂźchtlingen ist in der Regel vorher nicht bekannt, dass sie auf seeuntĂźchtigen Booten auf Rettung warten mĂźssen. Hinzu kommt, dass nie genug Retter da sein werden, um jedes UnglĂźck zu verhindern.cite-ref-sz-170418-81-0[81] Im Dezember 2016 registrierte Frontex einen ersten Fall, bei dem Schlepper die Migranten direkt auf ein NGO-Boot brachten. Zudem äuĂerte Frontex Besorgnis Ăźber die Interaktion zwischen Nichtregierungsorganisationen und Schleppern:cite-ref-82[82]
⢠Es gebe klare Anzeichen, dass die Schlepperboote schon bevor sie in See stechen die präzise Richtung kennen, auf der sie ein NGO-Boot erreichen.
⢠Während im Sommer 2016 noch 2â3 der Rettungen nach Abgabe eines Notrufs erfolgten, erfolgt seit Oktober 2016 nur noch in knapp jedem zehnten Fall ein Notruf. Im selben Zeitraum erhĂśhte sich der Anteil der Nichtregierungsorganisationen an den Rettungen von 5 % auf 40 %.
⢠Von NGO-Booten ßbernommene gerettete Flßchtlinge kooperierten oft nicht mit Frontex-Beamten. Einige sagten aus, sie seien vor einer Kooperation gewarnt worden.
In griechischen Flßchtlingslagern hätten einige Aktivisten von Nichtregierungsorganisationen 2015/2016 wiederholt fßr Unruhe gesorgt, gegen die staatliche Verwaltung und BehÜrden agitiert und teils sogar die Kontrolle ßbernommen sowie die Migranten zum Sturm auf die Grenzzäune zu Mazedonien ermuntert.cite-ref-83[83]
Nobelpreise fĂźr Nichtregierungsorganisationen oder deren GrĂźnder
Friedensnobelpreise fĂźr Nichtregierungsorganisationen
⢠1901 â Henry Dunant (Internationales Komitee vom Roten Kreuz)
⢠1904 â Institut fĂźr Internationales Recht
⢠1917 â Internationales Komitee vom Roten Kreuz
⢠1931 â Jane Addams (WILPF)
⢠1944 â Internationales Komitee vom Roten Kreuz
⢠1947 â The Friends Service Council und American Friends Service Committee
⢠1958 â Georges Pire (LâEurope du Coeur au Service du Monde)
⢠1963 â Internationales Komitee vom Roten Kreuz und Liga der Rotkreuz-Gesellschaften
⢠1976 â Betty Williams und Mairead Corrigan (Northern Ireland Peace Movement)
⢠1977 â Amnesty International
⢠1995 â Pugwash Conferences on Science and World Affairs
⢠1999 â Ărzte ohne Grenzen
⢠2014 â Kailash Satyarthi (Bonded Labour Liberation Front)
⢠2016 â Quartet du dialogue national
⢠2022 â Center for Civil Liberties und (verbotene) Memorial
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Wiktionary: Nichtregierungsorganisation
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: NGO
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Literatur von und ßber Nichtregierungsorganisation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Nichtregierungsorganisationen
⢠Anzahl und Zuwachs der NGOs weltweit von 1909 bis 2007. Bundeszentrale fßr politische Bildung (BPB)
⢠Nichtstaatliche Organisationen â Initiative und Geschick. (Memento vom 10. Februar 2010 im Internet Archive) Bundeszentrale Politische Bildung, Stand 2010
⢠Adressenbuch Entwicklungs-Organisationen. directory of development organizations, devdir.org
⢠Der NGO Komplex investigative Reportage ßber NGOs in Deutschland
Einzelnachweise
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